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Wenn eine Entschuldigung dazwischen steht …

entschuldigung

Vor einigen Jahren erzählte mir eine Kundin, dass sie mit ihrer Bürokollegin seit Monaten nicht mehr spricht. Früher hätten sie sich gut verstanden. Dann sei irgendetwas vorgefallen und die Kollegin redet seitdem nur noch das, was beruflich absolut nötig ist. Sie selbst weiß nicht, was der Auslöser war. Irgendetwas nimmt ihr die Kollegin offenbar übel.

Als sie gemerkt hat, dass die Kollegin sich zurückzog, hat sie es ihr gleichgetan. Seitdem reden sie nicht mehr, obwohl sie täglich Schreibtisch an Schreibtisch arbeiten. Die Anspannung ist mit Händen zu greifen. Tag für Tag für Tag.

  • „Haben Sie die Kollegin mal darauf angesprochen?“
  • „Nein.“
  • „Einfach nicht mehr geredet?“
  • „Ja.“

Auch wenn das ein Extremfall ist, so ist das gar nicht mal so selten. Ich habe Verwandte, die seit Jahrzehnten irgendeine Fehde pflegen, weil einer sich ungerecht behandelt fühlt und der andere sich nicht entschuldigt. So manche dicke Freundschaft geht zu Bruch, weil etwas Unausgesprochenes dazwischensteht. Manchmal weiß die andere Person gar nicht, wie ihr geschieht. Manchmal entschuldigt sie sich aus Prinzip nicht. Wieso ich??!

Der Schritt auf den anderen zu

Einer meiner Lieblingssprüche ist „Wo Menschen sind, da menschelt’s“. Ich mag diese Aussage, denn dieses Menscheln ist ein liebevoller Ausdruck dafür, dass wir nicht immer logisch, oft emotional und manchmal sogar irgendwie widersinnig agieren. Mitunter sind wir von etwas einfach getroffen oder ärgern uns – auch wenn die gleiche Sache uns gestern gar nichts ausgemacht hat. Manchmal trifft jemand einen wunden Punkt oder wir stellen uns stur.

Das Miteinander ist eben nicht immer leicht.

Wir können nicht mit einem Zauberstab winken, und andere (re)agieren so, wie wir es uns wünschen. Aber wir können zu 100 % bestimmen, wie WIR uns verhalten.

Bevor jetzt ein Missverständnis entsteht: Damit meine ich nicht, dass wir uns immer unter Kontrolle haben. Und ich meine auch nicht, dass wir uns in jeder Minute richtig, klug und angemessen verhalten müssen! Sie werden trotz bester Vorsätze in Ihrem Leben andere immer wieder einmal verletzen, in ein Fettnäpfchen treten oder in Streit geraten. Wenn es so weit ist, ist es Ihre Entscheidung, was jetzt geschieht:

→ Machen Sie einen Schritt zurück?

Überlassen Sie dem anderen die Reaktion? Warten Sie ab, schämen Sie sich oder grollen Sie?

→ Oder machen Sie einen Schritt auf den anderen zu?

Tragen Sie dazu bei, dass die Sache geklärt wird und treten Sie dafür ein, dass ein gutes Miteinander wieder möglich wird?

Ich meine: Es ist die bessere Wahl, einen Schritt auf den anderen zuzugehen. Besonders, wenn etwas zwischen Ihnen steht. Manchmal läuft das auf eine Entschuldigung hinaus.

Bleiben Sie sich und Ihrem Anspruch an sich selbst treu

Es gibt Situationen, in denen wir wissen, dass wir uns nicht so toll verhalten haben. Vielleicht haben Sie jemanden unabsichtlich verletzt, angelogen oder vor anderen bloßgestellt. Vielleicht aber haben Sie einfach nur unangemessen reagiert.

Das Komplizierte beim Entschuldigen ist, dass es jede Menge Hürden gibt, warum wir uns nicht entschuldigen können, selbst wenn wir es eigentlich tun wollen.

Ich kann mich noch gut an ein Telefongespräch erinnern, bei dem ich komplett ausgerastet bin. Die Umzugsfirma, die ich beauftragt hatte, hat mir zwei faule, völlig unfähige Leute geschickt. Der eine hat sich in den kleinen Transporter gestellt und die Kisten „koordiniert“, der andere hat sich Bilderrahmen und einzelne Blumentöpfe geschnappt, während ich meine Kisten alleine geschleppt habe. Am Schluss wollten sie mir auch noch eine Stunde mehr auf den Auftragszettel schreiben! Da ich an diesem Tag umziehen musste und so schnell niemand anderes organisieren konnte, machte ich das alles mit und rief am folgenden Tag den Chef an, um mich zu beschweren. Zunächst war ich angepisst, aber nach außen ruhig und sachlich. Als der Chef abwiegelte und mich nicht ernst nahm, wurde ich immer saurer. Schließlich schrien wir uns beide am Telefon an und knallten den Hörer auf.

Als ich aufgelegt hatte, war ich ganz erschrocken über mich. Zum einen, weil ich normalerweise nicht so reagiere, zum anderen, weil ich wusste, dass ich inhaltlich zwar im Recht war, dass es aber niemals in Ordnung ist, sich so zu verhalten.

Also atmete ich tief durch, griff wieder zum Hörer und sagte zur Überraschung meines Gesprächspartners: „Ich rufe an, um mich zu entschuldigen. Mein Verhalten eben am Telefon war nicht in Ordnung. Ich entschuldige mich dafür, dass ich so rumgeschrien habe.“

Der Spediteur war völlig von den Socken, entschuldigte sich ebenfalls und nun konnten wir ein sachliches Gespräch darüber führen, was schiefgelaufen ist.

Sie können sich vorstellen, dass ich in dieser Situation ganz gewaltig über meinen Schatten gesprungen bin. Ich fühlte mich zu 100 % im Recht, war stinksauer, weil ich überhaupt nicht ernst genommen wurde mit meiner Beschwerde – und wusste gleichzeitig, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat!

Aber: Mein Anspruch an mich selbst ist, dass ich respektvoll mit anderen umgehen möchte. Das tue ich natürlich nicht immer. Erinnern Sie sich ans Menscheln! Aber ich kann diesen Anspruch als Maßstab für mein eigenes Tun nutzen.

Egal was die andere Person getan hat, was inhaltlich vorgefallen ist: Wenn Sie einen klaren Anspruch an sich selbst haben, dann handeln Sie auch in Ihrem eigenen Sinn.

So konnte ich für mein unangemessenes Verhalten einstehen und den Weg für ein konstruktives Gespräch ebnen.

Übrigens: Andere schätzen es sehr, wenn man selbstverantwortlich handelt und über seinen Schatten springen kann.

Sie möchten sich entschuldigen

Wenn Sie wissen, worum es geht, und wenn Sie sich dafür entschuldigen möchten, dann ist das bereits die halbe Miete. Denn damit eine Entschuldigung beim anderen ankommt, ist besonders wichtig, dass sie ehrlich gemeint ist. Ein dahingesagtes „Sorry!“ geht eher nach hinten los.

Damit der andere merkt, dass Sie die Entschuldigung auch meinen, braucht es nur ein paar einfache Kriterien:

  • es meinen: sich aus den richtigen Motiven heraus entschuldigen
  • wenn Sie sich persönlich entschuldigen: Blickkontakt halten oder, wenn Sie sich schämen, sagen, dass Sie dem anderen gerade nicht in die Augen sehen können
  • konkret zu sagen, wofür Sie sich entschuldigen
  • die Entschuldigung stehenlassen und nicht sofort weiterreden, sich rechtfertigen, aufrechnen oder gar das Thema wechseln

Nun gibt es aber auch die Fälle, bei denen man merkt, dass etwas nicht stimmt – aber nicht weiß, warum. Jemand verhält sich merkwürdig, lässt deutliche Hinweise fallen, sagt, dass nichts ist, ist aber offensichtlich beleidigt. Manche Leute verfallen auch in Schweigen.

In solchen Situationen ist es besonders wichtig, nicht passiv zu bleiben. Gehen Sie auch hier den Schritt auf den anderen zu, um die Sache zu klären. Oft reicht es, dem anderen eine kleine Redebrücke zu bauen. Tipps dazu finden Sie hier: Was tun, wenn andere Leute dichtmachen?

Sie erwarten eine Entschuldigung

Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt, nicht ernst genommen oder hat Sie jemand verletzt? Dann ist es ebenfalls eine gute Idee, offensiv zu werden.

Jetzt denken Sie vielleicht: „Was?! Es ist doch bitte schön die Aufgabe des anderen, auf mich zuzugehen, wenn er sich falsch verhalten hat.“

Ja. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen:

→ Oft merken andere nicht, dass wir uns verletzt fühlen oder sie uns gegen den Karren gefahren sind.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kollegenkreis zusammen und jemand macht eine lustig gemeinte Bemerkung, dass Sie etwas zugelegt haben. Alle lachen – Sie lachen mit, weil Sie sich keine Blöße geben möchten. In Wirklichkeit sind Sie verletzt.

Dazu kommt, dass wir Menschen ganz unterschiedlich sind. Wenn Sie zu mir sagen: „Das und das war blöd“, dann fällt mir die Wortwahl gar nicht besonders auf, weil ich selbst so rede. Jemand anderes findet so ein Verhalten grob und verbittet sich diesen Ton.

Oder: Sie erzählen einer guten Freundin, dass Sie Eheprobleme haben. Diese wechselt das Thema. Sie sind getroffen, weil sie Ihre Probleme ignoriert. Tatsächlich ist es aus ihrer Sicht taktvoll, nicht nachzufragen, weil sie selbst es nicht wollen würde, dass man bei so persönlichen Themen weiterbohrt.

→ So schwer wir uns selbst oft mit Entschuldigungen tun, so schwer tun sich andere auch.

Die Hürden, die wir selbst gut kennen, haben andere natürlich auch. Manchen ist ein Fehlverhalten so unangenehm, dass sie am liebsten im Boden versinken würden. Andere bringen es nur schwer über die Lippen, sich zu entschuldigen, weil sie es mit Schwäche gleichsetzen.

Sehr oft glaubt man auch, dass sich die Dinge von selbst erledigen, wenn man Gras drüberwachsen lässt. Oder das Aufrechnen ist der Übeltäter: Die andere Person weiß zwar, dass es was zu entschuldigen gäbe, aber Sie haben ja kürzlich auch … und darum sind Sie sozusagen quitt.

→ Wir sollten immer für uns selbst eintreten.

Ganz unabhängig davon, ob es letztlich zu einer Entschuldigung kommt oder nicht, ist es wichtig, dass Sie Ihr Bedürfnis nach einer Entschuldigung aussprechen. Denn auf diese Weise treten Sie für sich ein, signalisieren dem anderen, dass ein Verhalten nicht in Ordnung war, und ziehen für das nächste Mal eine Grenze.

Wenn Sie also finden, dass eine Entschuldigung angebracht ist, oder wenn Sie enttäuscht darüber sind, dass keine kommt, dann sprechen Sie den anderen auf sein Verhalten an! Nicht vorwurfsvoll oder provozierend, sondern aus Ihrer Sicht:

Oft reicht es schon, einfach zu sagen, was Sache ist, und Sie bekommen eine Entschuldigung:

  • „Ich habe heute früh zwar mitgelacht, als du über mein Übergewicht gewitzelt hast, aber ehrlich gesagt hat mich das sehr getroffen.“ (Dann freundlich Blickkontakt halten und schweigen, bis eine Antwort kommt)

Oder Sie sagen es klipp und klar, dass ein Verhalten so nicht geht:

  • „Sachlich haben Sie Recht: Mir hätte dieser Fehler nicht unterlaufen dürfen. Doch es ist nicht in Ordnung, dass Sie mich als dumm bezeichnen.“ (Wieder unverwandt schauen, als ob der andere jetzt was sagen muss, und so lange still sein, bis der andere das Schweigen füllt)

Auf diese Weise treten Sie für sich ein, anstatt heimlich, still und leise zu grollen. Und Sie bauen dem anderen eine Brücke, sich zu entschuldigen, um das, was zwischen Ihnen steht, zu bereinigen.

© Zeit zu leben

[Quelle/Source (Link): Wenn eine Entschuldigung dazwischen steht …]

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