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Testbericht: Der Everything DISG®

Den DISG-Test habe ich in unterschiedlichen Varianten immer wieder gemacht. Jedesmal kam etwas anderes heraus, ich war mal mehr “I”, mal “S”, aber so viel “G” wie dieses Mal hatte ich niemals. Altersschwäche? ;-) Mein Grundstil laut dieser Variante ist jedoch „D“. Diese Veränderlichkeit der Ergebnisse spricht wohl nicht für Stabilität im Zeitverlauf. Allerdings ist der Test auch etwas anders konzipiert als die Varianten, die ich vorher kannte: Es geht um Kommunikations- und Arbeitsverhalten in Teams.

Der Reihe nach: Auf der Zukunft Personal war ich mit einer werten Kollegin unterwegs. Mich reizte ein Stand, auf dem der Test DISG mit auf den ersten Blick falschen Farben kombiniert war (aus meiner Sicht). D steht für dominant. Die passende Farbe dazu ist in Deutschland rot. I steht für „initiativ“ und war in früheren Tests grün, hier rot, S heißt „stetig“ und ist hier und auch sonst blau. In dieser Variante ist das „D“ grün, was farbpsychologisch vielleicht wirklich besser passt, denn Grün ist gleich Durchsetzung. Ich stellte mich auf das Modell, schritt zielgerichtet auf das „D“ und wurde gleich eingewickelt, den Test zusammen mit der Kollegin doch mal auszuprobieren. Für alle, die den Test noch nicht kennen, hier eine Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften der vier Grundstile:

Das Besondere an Everything DISG®: Der Test wird in der Teamarbeit eingesetzt. Ziel ist es, den eigenen Arbeits- und Kommunikationsstil zu erkennen, den Stil der anderen zu verstehen, Synergien und Ergänzungen zu entdecken und dadurch die Zusammenarbeit zu stärken. Andere Teamtests sind das Team Management Rad von Margerison McCann sowie der Test von Meredith Belbin. Auch die Reiss Profile ermöglichen Partnerprofil-Vergleiche und sind damit in diesem Kontext einsetzbar.

Im Test, der etwa 20 Minuten dauerte, wurden arbeitsbezogene Fragen gestellt. Es ging – was ich im beruflichen Kontext als angenehm empfinde – mal nicht um die Frage, ob ich gern und häufig auf Parties gehe, sondern es wurde direkt nach Kontaktfreudigkeit gefragt.

Das Ergebnis ist entsprechend nicht überraschend, sondern leitet sich unmissverständlich aus den Antworten ab. Der Arbeitsstil wird in der Auswertung so auch treffend beschrieben; ich erlebte keine Überraschungen. Die Auswertung ist verständlich, nicht akademisch und durch die direkte Ansprache persönlich. Ich vermute aber, dass jemand mit Täuschungsabsicht , etwa im Rahmen eines Assessments, kein Problem hätte, das Ergebnis zu verfälschen. Da habe ich Tests gesehen, die sehr viel schwieriger zu durchschauen waren und einen mit der ständigen Wiederholung gleicher oder ähnlicher Fragen mürbe machen.

Der erste Satz in der Auswertung stimmt schon mal:

 

Und weiter ist es auch nicht verkehrt: Dass für mich ein Ergebnis sehr wichtig ist – oh, ja. Meine Motivatoren sind unter anderem Ideen umsetzen und Prozesse anstoßen, nur schnacken ist mir zu wenig.

Der Blick auf die Partnerauswertung, die sehr übersichtlich ist: Keine schlechte Kombi – auch meine Kollegin hält an Ideen fest, beide sind wir tatkräftig und umsetzungsstark. Meine Mitarbeiterin im Back Office sollte als ideale Ergänzung dagegen etwas mehr “Stetigkeit” mitbringen (und ungetestet: das tut sie auch).

Everything DISG® im Vergleich zu den Reiss Profilen®:

Das „D“ dürfte sich in einer grünen Macht niederschlagen sowie in „Unabhängigkeit“. „I“-Personen sind bei Reiss wohl teamorientiert, haben möglicherweise auch grüner Anerkennung. Ich habe in diesem Test vergleichsweise viel „G“ erzielt, also in der Gewissenhaftigkeit, während ich bei Reiss höhere Werte bei Flexibilität als bei „Ordnung“ habe. Zu vermuten ist, dass sich die rational-analytische „G-Haltung“ nicht so sehr in Ordnung, als vielmehr in mittleren oder niedrigen „Beziehungen“ bei Reiss niederschlägt, während jemand mit hoher Ordnung bei Reiss höhere Werte im „S“ haben könnte. Liest diesen Testbericht jemand, der vergleichende Studien dazu kennt - immer her damit.

Everything DISG® im Vergleich zum MBTI

Hier finde ich erst mal wenig Übereinstimmung. Mein „NT“ dürfte sich im „D“ und „G“ niederschlagen, ansonsten sind das zwei unterschiedliche Tests mit Aussagen, die sich eher ergänzen als überschneiden.

Everything DISG® im Vergleich zum Big5

Den Big5 in der von mir kürzlich bei den Kollegen von PI Company absolvierten Variante empfinde ich als differenzierter und ein wenig „akademischer“. Indes kommt der Arbeitsstil dort nicht so klar heraus, wie in diesem Test. Einstellungen und Denkweisen kommen hingegen mehr zum Tragen im Big5. Ich denke auch, dass man mit ihm differenzierter die Führungs- und Aufgabeneignung und die Passgenauigkeit zu Stellenprofilen erfassen kann.

Everything DISG® im Vergleich zu Margerison McCann

Das Team Management Rad ist ein  nettes Tool, das hilft einen Überblick über Teamrollen und Kompetenzen in einer Gruppe zu bekommen – aber so richtig aussagekräftig finde ich es nicht. Da ist der Meredith Belbin-Test interessanter, und auch für die Berufsorientierung perfekt einzusetzen. Das „D“ dürfte sich hier im Shaper niederschlagen, das „G“ im Monitor Evaluator oder Perfektionist. Das „I“ wird Teamplayer sein und vielleicht „Co-Ordinator“.

Fazit: Wem bringt Everything DISG® was?

Everything DISG® eignet sich gut für Teambuilding und Personalentwicklung, da die Fragen berufsbezogen sind und es  primär um den Arbeitsstil geht. Ich finde die Teamauswertung weitaus treffender und ansprechender als Margerison McCann, das eine ähnliche Funktion hat. Für die Personalauswahl scheint mir der BIG5 allerdings passender. Aber überall gilt: Jeder Test zeigt nur einen minimalen Ausschnitt, Personen können sich situationsbezogen sehr unterschiedlich verhalten. Deshalb geht es nicht ohne vertiefende Interviews und Auswertungsgespräche.

Der Test Everything DISG® wurde uns zur Verfügung gestellt von Voss Training, Lizenzpartner von Inscape Publishing und dem Center for Leadership Studies

[Quelle/Source (Link): Online-Magazin für Karriere & Zukunft von Svenja Hofert]