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Wenn wir andere enttäuschen

enttäuschen

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie andere enttäuschen?

Wenn man zum Beispiel:

  • eine Verabredung absagt,
  • einem anderen eine Bitte ausschlägt oder
  • ganz allgemein sich nicht so verhält, wie es von einem erwartet wird.

Dann habe ich heute für Sie ein paar nützliche Fragen und Hinweise, wie Sie mit Situationen, in denen Sie die Erwartungen anderer womöglich enttäuschen werden, besser umgehen. Damit fällt es Ihnen dann vielleicht ein wenig leichter,

  • zu entscheiden, ob Sie es in Kauf nehmen möchten, jemand anderen zu enttäuschen, und
  • damit klarzukommen, wenn jemand anderes aufgrund Ihres Verhaltens ärgerlich, beleidigt oder irgendwie anders unangenehm für Sie reagiert.

Bevor wir dazu kommen, schauen wir uns das mit den Erwartungen aber noch einmal ein wenig genauer an.

Manch einem ist es relativ gleichgültig, ob er mit seinem Verhalten andere enttäuscht oder irgendwo aneckt. Andere wieder finden Situationen, in denen man die Erwartungen anderer nicht erfüllt, oft auch etwas schwierig oder belastend. Vielleicht kennen Sie das ja auch? Man bekommt vielleicht Schuldgefühle oder fürchtet die Reaktionen der anderen. Zum Umgang mit Schuldgefühlen hat Ralf vor einiger Zeit schon einen Beitrag geschrieben.

Hier geht es nun aber darum, wie wir damit umgehen, wenn andere womöglich:

  • ärgerlich reagieren,
  • beleidigt sind,
  • schlecht über uns reden oder
  • uns Vorwürfe machen.

Einfach, weil wir uns nicht so verhalten, wie es erwartet wird. Vielleicht auch ein ungeschriebenes Gesetz oder eine Konvention verletzen. Manchmal reicht es auch schon, dass wir befürchten, dass so eine Reaktion eintreten könnte. Wir wissen womöglich gar nicht, ob jemand ärgerlich reagiert, wenn wir eine Verabredung absagen. Vielleicht hat der andere ja auch Verständnis. Aber allein aus der Angst heraus, dass jemand beleidigt oder mit Vorwürfen reagiert, wagt man vielleicht nicht, das zu tun, was man eigentlich am liebsten machen möchte.

Warum wir andere Menschen enttäuschen

Relativ leicht fällt es vielen noch, wenn sie gute Gründe haben:

  • Man ist krank und muss die Einladung zur Party kurzfristig absagen.
  • Man hat bereits eine andere Verabredung und hat keine Zeit zu kommen.

Manchmal enttäuscht man andere auch einfach aus Versehen,

  • wenn es zu einem Missverständnis kam,
  • man etwas vergessen hat.

Dann lässt sich das Missverständnis nur ausräumen und man kann sich für seine Vergesslichkeit entschuldigen.

Oftmals hat man vielleicht auch ganz persönliche Gründe und befürchtet, dass andere kein Verständnis dafür aufbringen.

  • Man hat einfach das Bedürfnis nach einem ruhigen Wochenende und möchte deswegen keinen Übernachtungsbesuch.
  • Man hat keine Lust, verwandtschaftliche Beziehungen zu pflegen, weil man außer dem Verwandtschaftsverhältnis mit Tanten, Cousins und Geschwistern nichts gemeinsam hat.
  • Man will vielleicht nicht das tun, was alle in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis oder im Verein machen, nur weil das schon immer so war und man das so macht.

Verstehen Sie mich nicht falsch. In vielen Fällen ist es ja auch überhaupt kein großes Problem, mal etwas zu machen, wozu man vielleicht nicht so viel Lust hat. Oder was nicht so gut zu einem passt. Und vielleicht gefällt einem die Party, auf die man keine Lust hatte, ja dann doch ganz gut. Oder auf der Familienfeier entdeckt man ungeahnte Gemeinsamkeiten.

In manchen Fällen ist es aber auch wichtig, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Zum Beispiel, wenn man häufig Dinge macht, die man eigentlich gar nicht tun möchte. Das kann einem viel Energie rauben. Wenn man sich dauerhaft zu extrem nach den Erwartungen anderer richtet, kann das sogar krank machen. Man lebt dann womöglich ein sehr fremdbestimmtes Leben.

Und manches Mal sind unsere Befürchtungen ja auch unbegründet und dann wäre es doch schade, wenn man aus Furcht vor etwas, das gar nicht passieren würde, Dinge tut, die man gar nicht möchte.

Um nicht zu sehr fremdbestimmt zu sein und auch nicht unnötigerweise Erwartungen zu erfüllen, die man gar nicht bedienen möchte, macht es Sinn, sich etwas stärker mit diesen Befürchtungen auseinanderzusetzen. Denn dann kann es gelingen, bewusster zu entscheiden, ob man die Enttäuschung anderer in Kauf nehmen möchte oder lieber nicht. Oder ob es vielleicht sogar eine andere Lösung gibt, auf die man zuvor gar nicht gekommen ist.

Vielleicht gelingt es dann,

  • Weihnachten nur mit einer guten Freundin zu verbringen und alle weihnachtlichen Familienfeiern für dieses Jahr abzusagen,
  • eine Einladung spontan doch noch abzusagen, weil man sich einfach nur nach Ruhe sehnt,den Wochenendbesuch bei den Freunden zu streichen, weil es diese Woche in der Beziehung total gekriselt hat und ein paar Tage mit dem Partner jetzt einfach wichtig sind,
  • zu seiner Hochzeit die Nachbarn der Eltern nicht einzuladen, obwohl es im Ort ungeschriebenes Gesetz ist,
  • einem ganz sicher lieben, netten Menschen, mit dem man aber leider gar nichts anfangen kann, einen Korb zu geben, wenn der einen um eine Verabredung bittet,
  • die Wohnung zu kündigen, obwohl die freundlichen alten Vermieter gehofft hatten, dass man für lange Zeit dort wohnen bleiben wird.

Was tun, wenn man nicht weiterweiß?

Hier also einige Fragen für eine Situation, in der Sie vor der Wahl stehen, das zu tun, was Sie möchten, und damit eventuell jemanden zu enttäuschen. Oder die Erwartungen anderer zu erfüllen, obwohl Sie lieber etwas anderes tun möchten:

  1. Wie wichtig ist mir, dass ich das mache, was ich möchte? Zum Beispiel die Verabredung absagen, dem Partner die Bitte um Hilfe ausschlagen oder den Nachbarn enttäuschen, weil ich während der Ferien nicht auf sein Meerschweinchen aufpassen möchte.
  2. Welche Konsequenzen hat es, wenn ich die Erwartungen anderer erfülle, obwohl es gegen meinen Wunsch geht? Zum Beispiel: Ich werde einen langweiligen Abend haben, ich werde mich die ganze Zeit total unwohl fühlen.
  3. Was befürchte ich? Was könnte passieren, wenn ich das mache, was ich möchte? Zum Beispiel: Der andere könnte sauer sein, man könnte über mich herziehen, wenn ich später um etwas bitte, bekomme ich auch eine Absage.
  4. Wie realistisch ist das, was ich befürchte? Welche Anzeichen gibt es, dass dieser Fall eintritt? Habe ich das vielleicht schon öfter erlebt? Existiert diese Befürchtung eventuell nur in meinem Kopf?
  5. Ist der befürchtete Ärger evtl. auch begründet? Ist es von mir wirklich nicht in Ordnung, den anderen zu enttäuschen? Habe ich das vielleicht die letzten 10 Male auch schon gemacht? Wenn ja, will mir das vielleicht etwas sagen? Habe ich vielleicht grundsätzlich keine Lust mehr auf diese Sache, diese Beziehung, diese Veranstaltung?
  6. Was ist, wenn das Befürchtete eintritt? Wäre das wirklich so schlimm? Wie könnte ich damit umgehen? Lohnt es sich vielleicht doch, in den sauren Apfel zu beißen und das Erwartete zu tun? Oder ist es nicht besser, mit dem, was ich befürchte, klarzukommen?
  7. Wenn das Befürchtete eintritt, wie kann ich damit umgehen? Was könnte ich sagen? Mit wem sollte ich sprechen? Wie könnte ich mich selbst ermutigen, zu meinem Verhalten zu stehen?
  8. Gibt es die Möglichkeit für einen Deal mit mir? Mit dem anderen? Kann ich z. B. absagen und gleichzeitig eine neue Verabredung für die Woche darauf treffen? Kann ich einen Kompromiss eingehen?

Ganz schön viele Fragen, denken Sie vielleicht. Sie müssen ja auch nicht alle beantworten. Aber wenn Sie demnächst in einer Situation sind, wo Sie z. B. denken:

  • „Eigentlich würde ich ja viel lieber …“
  • „Dazu hab ich überhaupt keine Lust.“
  • „Ich würd ja gerne, aber ich kann doch nicht einfach …“

… dann können Sie sich mit einigen dieser Fragen womöglich ein wenig Klarheit verschaffen. Und vielleicht leichter entscheiden, ob es sinnvoller ist, das zu tun, was jemand von Ihnen erwartet oder wünscht. Oder ob es sich nicht vielleicht eher lohnt, den anderen zu enttäuschen.

Und eventuell erleben Sie ja auch ein paar schöne Überraschungen:

Vielleicht

  • reagiert der andere gar nicht blöd. Das findet man aber nicht heraus, wenn man es nicht ausprobiert. So lohnt es sich z. B. zu versuchen, bei einer Absage ehrlich zu sein und zu sagen: „Du, entschuldige, ist nicht bös gemeint, aber ich hab die letzten Tage so viel Rummel gehabt, ich sehne mich einfach nur nach Ruhe. Ich komme heute Abend nicht zu der Party.“
  • fällt man durch ein unorthodoxes Verhalten auf. Aber andere finden das womöglich gar nicht schlimm, weil sie das auch schon immer mal machen wollten. Wenn man z. B. bei einer Einladung nicht wie üblich das große Buffet auffährt, sondern nur ein paar Bockwürstchen warm macht und einen Nudelsalat dazustellt. Und einige froh sind, dass jemand mit der Konvention gebrochen hat.

Sicher wird man immer wieder auch jemanden enttäuschen und eine Reaktion bekommen, mit der man nicht gerechnet hat. Da ist einer vielleicht wirklich sauer, reagiert beleidigt oder fühlt sich verletzt. Aber wenn man sich zuvor mit den möglichen Reaktionen und seinen Befürchtungen auseinandergesetzt hat, überrascht man sich vielleicht auch selbst. Und merkt, dass einem diese Reaktionen gar nicht mehr so viel ausmachen.

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