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iPad-Klasse sorgt für Begeisterung

Auf den Tischen liegen iPads, das Thema der Stunde ist der Nahostkonflikt, die Schüler arbeiten konzentriert: einige malen eine Mindmap mit dem Füller, andere mit einer App. Wieder andere erstellen eine Karte mit Google Maps oder erstellen kollaborativ online eine Präsentation. „Am Ende der Stunde gibt es acht verschiedene Lösungsansätze bei 23 Kindern. Alle können ein Resultat vortragen“, sagt Eyk Franz, Klassenlehrer der iPad-Klasse an der Waldschule Hatten. Individualisiertes Lernen und Methodenvielfalt heißt hier, dass die Schüler selbst darüber entscheiden, wie sie ihre iPads zur Lösung einer Aufgabe verwenden – oder ob sie sie auch einmal links liegen lassen. Doch ganz ohne sie auszukommen: das kann sich keiner der Schüler der iPad-Klasse mehr vorstellen.Eine iPad-Klasse gibt es bereits, eine weitere startet im Sommer. „Das iPad ist für unsere Schule eine konsequente Fortsetzung des mobilen Lernens“, sagt Andreas Hofmann, Lehrer an der Waldschule Hatten und medienpädagogischer Berater für digitales Lernen beim Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ). Wenn man begeistern könne, sähen die Kollegen den Mehrwert: „dass mobiles Lernen schlicht und ergreifend zeitgemäß und schülerbezogen ist.“ Zwar bedeute das nicht automatisch bessere Schulleistungen, „aber ich sehe in meiner Klasse ganz deutliche Kompetenzgewinne im Bereich des Präsentierens, Kooperierens und Recherchierens“, so Hofmann weiter.Auf Tabletcomputer umzusteigen hat aber auch weitere, ganz pragmatische Vorzüge: denn ein Hauptproblem seien Viren auf den Rechnern der Schüler, die eine Gefahr für das gesamte Schulnetzwerk darstellten – bei den iPads gebe es das – noch – nicht. Außerdem koste es viel Zeit, das Betriebssystem, die Treiber und Software auf den Laptops einzurichten, und die Wartung der Rechner komme noch dazu. Anders bei den Tabletcomputer: „Eine Doppelstunde hat es gedauert, eine ID zu erstellen, die Tabletcomputer zu installieren und ein Backup in der Cloud zu erstellen. Softwareseitig entsteht keine Arbeit, hardwareseitig sind sie kaum anfällig. Ein Defekt bedeutet, die Kinder schicken das Gerät ein und es wird repariert oder ausgetauscht. Ohne Lehrerbeteiligung! Ich denke, nur so können Schulen diesen Weg gehen“.Vor zwei Jahren wurde das aktuelle Medienkonzept der Schule erarbeitet. Vorher sei mobiles Lernen „noch mehr Utopie als Realität“ gewesen. Seitdem hat sich viel getan und mobiles Lernen als 1:1-Lösung – ein mobiles Gerät pro Schüler – ist das Ziel der Schule. Angesichts der schnellen Entwicklung müsse allerdings darauf geachtet werden, dass kein Kollege den Anschluss an die Entwicklung verliere: „Schulserver, digitale Boards, mobile Klassen, E-Learning – und nun auch noch ein fremdes Betriebssystem. Das baut Ängste auf. Diese muss man mit Motivation und Spass – und sehr viel privater Zeit und Engagement abbauen.“ Es liege allerdings in der Verantwortung jedes einzelnen Kollegen, digitale Medien zu akzeptieren. So viel Wandel braucht Fortbildungen. Erst kürzlich nahmen viele der Lehrer an einer zweitägigen intensiven Schulung zur Arbeit mit iPads teil. Demnächst richtet die Firma Apple an der Schule eine Fortbildung aus und es gibt ein regelmäßiges Treffen der Lehrer. Die Schule bietet außerdem ein Elterntraining zu allen gewünschten Themen an, etwa zu Sozialen Netzwerken oder dem iPad. Das Interesse ist groß, daher will die Schule diese Euphorie nutzen. Deshalb spricht die Waldschule Hatten andere Schulen in der Region an, „um schnellstmöglich ein Netzwerk aufzubauen. Gemeinsame Treffen, Workshops und Fortbildungen sind geplant.“Viel privates Engagement ist nötig, um die digitalen Medien langfristig zu verankern. Was man an der Waldschule Hatten beobachten kann, ist ein Aufbruch. Die Bestandsaufnahme bestätigt das: den 550 Schülern und 45 Lehrern der Waldschule Hatten stehen bisher 50 PCs, 100 Laptops und 30 Tablets zur Verfügung. Es werden stetig mehr. Außerdem ergänzen zehn interaktive Tafeln den Schulunterricht.Auch bei der Breitbandanbindungen ist die Waldschule Hatten vergleichsweise gut ausgestattet. Die Schule ist über drei 16000er DSL-Leitungen mit dem Internet verbunden; eine für die Verwaltung, zwei für den Unterricht. Für 2013 ist eine Erweiterung angedacht. Einen großen Teil der Kosten für die IT-Infrastruktur übernimmt der Schulträger. Die Tabletcomputer kaufen die Eltern bei der gemeinnützigen Mobiles Lernen GmbH und leasen sie über drei Jahre. Da manche Eltern sich das nicht leisten können, arbeitet die Schule mit der GmbH zusammen, die einen Sozialfonds anbietet, der sozial schwächeren Eltern formlos hilft. So können alle Schüler am Projekt teilnehmen.

[Quelle/Source (Link): Online-Magazin DIGITAL LERNEN]