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Totalversagen der MBA-Schmieden

Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger ist bekannt für seine klaren – und vor allem kritischen – Worte. Im Gespräch mit Spiegel online nimmt er nun die Business Schools ins Visier, denen er quasi ein Totalversagen attestiert. “Die amerikanischen Business Schools sind doch vor allem das ideologische Transport-Vehikel des Finanzkapitalismus. Sie sind einseitig ausgerichtet auf die ökonomische Theorie effizienter, sich selbst steuernder Märkte – und dieser Irrglauben, gemischt mit Gier, hat zu den Exzessen mit Schrotthypotheken, zu der Modellierung toxischer Produkte, aber auch zu Maßlosigkeit in der Vergütungspolitik geführt. Diese Schulen sind voll und ganz auf den Homo oeconomicus fixiert, der stets nur als rationaler Akteur handelt, um seinen Nutzen zu optimieren. Es fehlen andere, ebenso wichtige Sichtweisen: beispielsweise Geschichte, Soziologie oder Psychologie, auch die relativ neue Disziplin der Behavioral Economics, der Verhaltensökonomik. Die Theorie, die heute vermittelt wird, hat substantiell versagt und ist moralisch verrottet”, so Sattelbergers Fundamentalkritik. Fächer wie Ethik oder Corporate Social Responsibility seien allenfalls Alibis. “Das ist Tünche, da sich sonst ja nicht substantiell ändert”, meint der Telekom-Mann. Sattelberger fordert, höhere ethische Messlatten an das Verhalten von Fakultätsmitgliedern anzulegen, da diese häufig die Interessen der Wirtschaft verträten anstatt sie auch einmal zu hinterfragen. Auch plädiert er für einen Abschied von der Vorstellung, Führungsqualitäten im Hörsaal lernen zu können. “Ich halte es für ein Phantasiegebilde, dass Leadership im Vorlesungssaal vermittelt oder gelernt werden kann. Lernen kann ich Managementtechniken wie Ziele setzen, Delegieren, Controlling und Marketing – aber nicht Leadership. Da kommt es darauf an, Zukunftsbilder zu schaffen, schwierigste Geschäftsprobleme zu meistern und Menschen emotional und nachhaltig für neue Strategie und Veränderungsprozesse zu gewinnen. Das kann man nicht kopflastig antrainieren. Man lernt es nur, wenn man im rauen Wasser der Realität Verantwortung trägt”, so Sattelberger.

“Die großen Business Schools sind lebendige Leichen”, Spiegel online 9.2.12

[Quelle/Source (Link): think.work.different — Das Weblog für authentisches und integrales Business]