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Schub durch interaktiven Tafeln für eine Digitalisierung der Schulen nutzen

8.00 Uhr, Geometrie in der Grundschule an der Bäke in Berlin-Steglitz: Alle Schüler schauen gebannt an die Tafel, während die Mathelehrerin Frau Franke mit einer einfachen Handbewegung mehrere Dreiecke übereinander zieht, um somit anschaulich deren Deckungsgleichheit zu überprüfen. Vorbei ist die Zeit in der bunte Kreide organisiert, die Tafel grundgereinigt und das Tafelbild aus der letzten Stunde wieder nachgezeichnet werden musste. Jetzt reicht ein Klick und schon ist alles wieder da. Smartboards oder Whiteboards werden die neuen Tafeln in Ermangelung eines deutschen Gattungsbegriffs oft genannt. In der Grundschule an der Bäke hängen sie in jedem Klassenraum.
Die Grundschule an der Bäke ist tatschlich Vorreiter beim Einsatz interaktiver Tafeln. Nachdem Schulleiter Haase von der Funktionalität der ersten interaktiven Tafeln 2008  begeistert war, entschied er 2009 alle Klassenräume damit auszustatten. Er ging noch einen Schritt weiter und verordnete den Abbau aller Kreidetafeln. Was als eine Entscheidung der Schulleitung begann und von der Mehrheit der Lehrer getragen wurde, war damit zur Pflicht für jeden einzelnen Lehrer geworden. Angesichts des hohen Berliner Lehreralters von durchschnittlich 51 Jahren war dies ein mutiger Schritt. Doch heute will keiner mehr zurück. Selbst die skeptischen Kollegen, die zu Beginn der Umstellung nicht einmal eine E-Mail-Adresse besaßen, sind von den neuen Möglichkeiten und Erleichterungen begeistert. Ein Lehrer hat sich gar wegen der Ausstattung mit interaktiven Tafeln genau für diese Schule entschieden. Die Tafeln sind offenbar auch ein besonderer Motivationsfaktor junge Kollegen, eine wichtige Erkenntnis angesichts des sich verschärfenden Lehrermangels.
Doch wer genauer nachfragt, erfährt auch, dass die Tafeln sehr unterschiedlich genutzt werden. Während die einen Lehrer die Tafeln tatsächlich vielseitig einsetzen und beispielsweise den Unterrichtsverlauf automatisch online stellen, sodass auch kranke Schüler von zu Hause alles mitbekommen, nutzen die anderen die interaktive Tafel nur als Projektionsfläche, ähnlich wie die alten Overhead-Projektoren. Schulleiter Haase wünscht sich mehr Kreativität beim Einsatz, beispielsweise durch Videokonferenzen mit Schulklassen in Großbritannien. Schließlich stellen die neuen Tafeln mit rund 4.000 Euro Kosten für Tafel und Beamer eine erhebliche Investition dar.
Es ist wie mit jedem Unterrichtsmedium: Ist der Lehrer nicht kreativ, wird der Unterricht schnell zur Routine. Die Schüler merken ganz genau, was ein Lehrer kann und was nicht. Frau Franke begeistert die Schüler, weil sie die interaktiven Tafeln und Laptops kreativ in ihrem Unterricht einsetzt.
An der Grundschule an der Bäke hat der Austausch der Tafeln aber mehr bewirkt, als nur den Unterricht zu beleben, er hat das gesamte Lehrerkollegium mit auf den Weg der Digitalisierung genommen. Kein Lehrer möchte mehr die Unterrichtsvorbereitung auf dem USB-Stick missen, keiner mehr den E-Mail-Austausch mit den Schülern. Das wäre zwar grundsätzlich auch ohne die Tafeln möglich gewesen, aber sie bringen offenbar einen Schub, der alle motiviert. Auch wenn einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens  Futuresource zufolge, im Jahr 2010 über 11.000 interaktive Tafeln in Deutschland ausgeliefert wurden, kann nicht jede der rund 40.000 Schulen in Deutschland eine Komplettausstattung mit interaktiven Tafeln bekommen.
Heute ist der Kauf von Hard- und Software den Kommunen und Schulen selbst überlassen, die Bundesländer schließen lediglich Rahmenverträge mit IT-Herstellern ab oder geben einzelne Ausstattungsempfehlungen. Wenn sich an dieser Konstruktion nichts ändert, wird es weiter von der Eigeninitiative jeder einzelnen Schulleitung und der finanziellen Lage jeder einzelnen Kommune abhängen, ob die Schüler in Deutschland fit gemacht werden für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts, zu denen auch ein hohes Maß an IT- und Medienkompetenz gehört.
Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien bereits weit hinterher. Während sich im OECD-Durchschnitt 7,7 Schüler einen Computer teilen, sind es in Deutschland 11 Schüler. Schlechter als Deutschland sind nur Griechenland, Chile, Spanien und Mexiko. Laut der letzten PISA-Studie nutzt nur jeder siebte Schüler einen Laptop in der Schule. Die Kinder und Jugendlichen nutzen den Computer zu Hause regelmäßig und überwiegend zum Chatten und Spielen. In der Schule müssten sie also lernen, wie Text-, Bild-, und Datenverarbeitungsprogrammen sinnvoll und effektiv genutzt werden können. Dafür bräuchten die Schulen die entsprechende Ausstattung, damit jeder Schüler mit einem PC, Laptop oder Tablet arbeiten kann.

[Quelle/Source (Link): www.digitallernen.de: Neuste Beiträge]

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