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Fehler lieber früher machen?

fehler

Ach… hätte ich doch
meine Fehler
früher gemacht
den Schmerz
schneller gespürt
eher daraus gelernt
schneller daran gewachsen
denn darum
geht es hier doch wohl
in diesem Leben.

– Ralf Senftleben

Ich kenne Menschen, die denken Tage, Wochen oder sogar Jahre über eine Entscheidung nach. Sie grübeln, ob sie die Arbeitsstelle wechseln sollten, wohin sie in den Urlaub fahren, ob sie Kinder wollen oder nicht. Manchmal sind es auch ganz einfache Dinge. Zum Beispiel, ob man diese oder jene Digitalkamera kauft.

Warum dauern Entscheidungen manchmal so lange?

Der Hauptgrund ist wohl Vorsicht. Oder nennen wir es lieber beim Namen: Es ist Angst. Die Angst, einen Fehler zu machen und sich falsch zu entscheiden.

Denn eine falsche Entscheidung kann sich später als unangenehm und schmerzhaft herausstellen. Vielleicht sind wir dann enttäuscht, dass es nicht so geworden ist, wie wir uns das gewünscht haben. Zum Beispiel wenn der neue Job, für den ich mich entschieden habe, genauso langweilig ist wie der Alte. Oder unsere Entscheidung hat unangenehme Konsequenzen, die wir nicht vorhergesehen haben, die wir aber hinterher trotzdem ausbaden müssen.

Wir können lange über eine anstehende Entscheidung grübeln. Aber wie es wirklich wird, erleben wir immer erst, nachdem wir uns entschieden haben. Weil wir das wissen, zögern wir die Entscheidung oft lieber nach hinten hinaus. Denn wenn wir uns nicht entscheiden, können wir auch keinen Fehler machen.

Diese Fehler-Vermeidungs-Strategie hat aber leider eine ganze Reihe von Nachteilen.

Der für mich größte Nachteil ist, dass wir so als Mensch in unserem Lernen, Wachsen und in unserer Entwicklung stagnieren. Denn der kürzeste und oft einzig mögliche Weg, etwas wirklich zu verstehen und zu erleben, ist die direkte Erfahrung. Nicht das Nachdenken, nicht das Abwägen und auch nicht das Planen.

Wir können Freunde fragen, wie es sich anfühlt, eine Herdplatte anzufassen. Wir können Bücher über Herdplatten lesen. Oder Herdplatten-Seminare dazu besuchen. Aber wie es wirklich ist, eine Herdplatte zu berühren, wissen wir erst, wenn wir es einmal getan haben und erst dann wissen wir wirklich, dass es keine gute Idee ist.

Oder wir können Bilder einer Erdbeere betrachten. Wir können an einer Erdbeere riechen. Wir können eine Erdbeere mit skeptischem Blick zwischen den Fingern bewegen. Aber um zu wissen, ob uns eine Erdbeere schmeckt, müssen wir sie in den Mund stecken.

Die Wahrheit und die Wirklichkeit steckt im Tun, im Ausprobieren und im Erleben und weniger im Nachdenken. Deswegen ist es zu wichtig, nicht zu lange zu grübeln und Entscheidungen nicht ewig hinauszuschieben.

Und bitte nicht falsch verstehen: Ich will nicht sagen, dass man impulsiv alles innerhalb von 30 Sekunden entscheiden soll. Im Gegenteil: Ich bin ein großer Fan davon, gründlich über größere Entscheidungen nachzudenken, das Für und Wider abzuwägen und auch das Bauchgefühl zu Wort kommen zu lassen. Aber nach ein bis zwei Wochen intensiven Nachdenkens und Nachspürens ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass man noch neue Erkenntnisse gewinnt.

Ich würde natürlich niemandem empfehlen, unkontrollierbare Risiken eingehen.  Aber warten Sie auch nicht, bis sie sich bei einer Sache 100%ig sicher sind.

Entscheiden Sie sich lieber vorher.

Und dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Vielleicht wird die Sache so, wie Sie es sich gewünscht haben. Dann ist alles gut. Genießen Sie es.
  • Und vielleicht wird es sogar noch besser, als Sie es sich vorgestellt haben. Wow!
  • Vielleicht entwickelt sich alles gut, aber es stimmen nach Ihrer Entscheidung einige Details noch nicht. Dann können Sie in den meisten Fällen immer noch nachjustieren.
  • Und vielleicht entwickelt sich nach Ihrer Entscheidung  alles ganz unvorteilhaft. Aber selbst dann haben Sie nicht verloren, sondern wertvolle Erfahrung gewonnen, aus der Sie für die Zukunft lernen können.

Wenn wir mit einer offenen und lernbereiten Grundhaltung an das Leben herangehen, können wir auch aus unangenehmen und schmerzhaften Erfahrungen sehr viel mitnehmen. Meistens nicht sofort. Erst gilt es die Trauer, den Stress und die Enttäuschung zu bewältigen. Aber danach steckt in jedem Scheitern eine Menge Weisheit, die wir für unsere Zukunft nutzen können.

Was ich damit sagen will:

Fehler zu machen ist eine gute Sache, weil wir daraus lernen und als Mensch daran wachsen, selbst wenn dabei die ein oder die andere Träne kullert. Aber dazu muss man sich öffnen für Fehler, für den Schmerz, für Enttäuschungen, für die Erfahrungen und auch für die Erkenntnisse aus allem.

Ich wünschte mir jedenfalls, ich hätte viele meiner Fehler früher gemacht und hätte früher daraus gelernt.  Deswegen bin ich heute viel entscheidungs- und experimentierfreudiger, als noch vor 10 Jahren.

Denn sich zu trauen Fehler zu machen und daraus zu lernen, ist ein wahrer Turbo für Ihre persönliche Entwicklung.

© Zeit zu leben

[Quelle/Source (Link): Zeit zu leben]

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